04 Underwear

Unterwäsche für Männer hat eine bemerkenswert kurze Geschichte. Erst ab dem späten 18. Jahrhundert sind Herrenunterhosen gesichert schriftlich erwähnt. Unterhemden gibt es etwas länger. Sie als »Reizwäsche« zu bezeichnen, wäre aber grob übertrieben, denn sie wurden ausschließlich unter der Oberbekleidung getragen und waren fremden Blicken verborgen. Daher war ihre Form- und Farbgebung schlicht bis langweilig und der Begriff »Liebestöter« kennzeichnet ihre erotische Wirkung zutreffend.

Erst ab den späten sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts begann im Zuge der sexuellen Aufklärung und immer kürzerer (Damen-)Röcke Unterwäsche im wörtlichen Sinne in den Blickpunkt zu rücken. Diese Entwicklung leitete eine stürmische Evolution ein, bei der die Herrenunterwäsche aber stiefmütterlich wegkam. Sie beschränkt sich bis heute auf den einfachen Slip (Brief), die Boxer Short und ihre Variationen, den Boxer Brief und die Radhose sowie den Jock-Strap.

Letzterer ist ursprünglich (mit einer festen Einlage im Beutel) eine Schutzbekleidung aus dem amerikanischen Highschool-Sport, die über der Unterwäsche getragen wird. Als erotische (und vor allem arschfreie) Kleidung wird er vor allem in der schwulen Szene aber direkt auf der Haut getragen.

Boxer Shorts und ihre Variationen, T-Shirts und Tank Tops haben mittlerweile ihre Rolle als Unterwäsche ausgespielt und sind in der westlichen Welt als Alltagskleidung akzeptiert. Der Markt wird von einer Reihe großer und vielen mittelgroßen und kleineren Marken geprägt, die eine Vielzahl an Modellen (Styles) anbieten. Seit einigen Jahren werden Synthetikfasern, die über Jahrzehnte den Markt dominiert haben, durch Baumwolle, Bambus- und andere Naturfasern ergänzt. Selbst den klassischen Feinripp gibt es wieder und siehe da: er ist plötzlich schick!